24. April 2026

Verborgene Fäden: Eine Recherche in Bad Doberan

Bad Doberan, März 2025

Ein Museumsbesuch im März 2025 führte mich zurück in das Stadt- und Bädermuseum Bad Doberan (Möckelhaus). Anlass war das Gedenken an den 100. Todestag meines Urgroßvaters, des Malers Rudolf Sieger. Während die offizielle Sonderausstellung bereits bereits beendet war, ermöglichte mir Lisa Riess, die Museumsleiterin einen exklusiven Blick auf weitere Exponate.

Dabei kam es zu einer Begegnung, die nicht nur meine Familiengeschichte, sondern auch die Sicht auf das Werk einer bedeutenden Mecklenburger Künstlerin in ein völlig neues Licht rückte: Ich lernte Marion Schael kennen, die Leiterin der Kate Diehn-Bitt Stiftung.

Eine Liebe zwischen Leinwand und Alltag

Was wir im Gespräch austauschen konnten, gleicht einem Roman der klassischen Moderne. Es stellte sich heraus, dass Kate Diehn-Bitt weit mehr als nur eine Schülerin meines Großvaters Rudolf Sieger war.

In seinem Atelier begegneten sich Kate und mein Opa, Hans Sieger, Rudolfs Sohn. Es war der Beginn einer tiefen Verbindung, die gesellschaftliche Konventionen sprengte:

  • Die Dresdner Jahre: Während Kates Malstudium in Dresden lebten sie und Hans zusammen – eine intensive Zeit künstlerischer und persönlicher Freiheit.
  • Das Lebensdreieck: Zurück in Mecklenburg setzte sich diese Liebe in einer für die damalige Zeit außergewöhnlich offenen Dreiecksbeziehung fort. Während Kates Ehemann, der Zahnarzt Paul Diehn, in Rostock arbeitete, blieb die Verbindung zu Hans bestehen.
  • Die Muse Hans: Wer Kates Werk kennt, findet Hans immer wieder. Seine Züge ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Porträts und Motive – bis ans Ende ihres Schaffens.

Das Rätsel von 1933

Trotz dieser lebenslangen künstlerischen Präsenz blieb ein Moment der Geschichte im Dunkeln: Das abrupte Ende ihrer gemeinsamen Zeit im Jahr 1933.

Warum trennten sich ihre Wege in diesem Schicksalsjahr so plötzlich? War es der politische Druck der heraufziehenden Diktatur, die „entartete“ Lebensentwürfe nicht duldete? Waren es private Zäsuren? Diese Frage blieb auch bei unserem Treffen im Möckelhaus offen – ein weißer Fleck auf der Leinwand ihrer Biografie, der noch der Klärung harrt.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Diese Entdeckung zeigt einmal mehr, wie eng die Kunstszene Mecklenburgs und die Lebenswege der Familie Sieger miteinander verwoben waren. Rudolf Sieger lehrte nicht nur das Handwerk der Malerei, er schuf unbewusst den Raum für eine große, komplexe Liebesgeschichte, die nun, über 100 Jahre später, wieder ans Licht tritt.

Wir danken dem Möckelhaus und der Kate Diehn-Bitt Stiftung für diesen wertvollen Austausch. Als Geschenk brachte mit Frau Schael ein beeindruckendes Bildband von Kate Diehn-Bitt mit, in denen in vielen Passagen und Bildern mein Großvater Hans Sieger vorkommt. Danke. Wir verabredeten ein zweites Treffen in Hamburg mit meiner Mutter, um weitere Informationen zu erhalten. Die Spurensuche zu Hans geht weiter.

Nachtrag: Es war der Vorabend des Treffens, der bei mir alles veränderte. Die Recherche zur Vorbereitung des Treffens in der KI zog mich die halbe Nacht in den Bann und brachte einen ersten Fahrplan und Texte hervor.

Hast du Hinweise oder Dokumente zu Hans Sieger und Kate Diehn-Bitt aus den 1930er Jahren? Wir freuen uns über jede Nachricht über das Kontaktformular.

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