
Auf den Spuren von Emmi und Rudolf Sieger: Ein emotionaler Besuch im KHMR Rostock
Rostock im April 2026
Es gibt Momente in der Ahnenforschung, da verlassen wir die Welt der staubigen Dokumente und digitalen Archive und treten direkt hinein in die Geschichte. Ein solcher Moment führte mich im April nach Rostock zum Kunsthistorischen Museum (KHMR). Mein Ziel: Ein Treffen mit der Museumsdirektorin, Frau Susanne Knuth, und die Suche nach den Spuren von Emmi und Rudolf Sieger.
Ein Familienalbum als Türöffner
Bewaffnet mit unserem privaten Familienalbum von Emmi und Rudolf betrat ich mit meiner Frau Inger das Museum. Meine Online-Recherche hatte bereits angedeutet, dass das KHMR eine umfangreiche Sammlung zu Rudolf beherbergt, doch die Realität übertraf meine Erwartungen.
Kaum hatten Frau Knuth und ich das Album aufgeschlagen, entspann sich eine intensive Diskussion über den kunsthistorischen Wert dieser Erbstücke der Familie Sieger. Besonders zwei Aspekte weckten das professionelle Interesse der Expertin:
- Kontext-Fotografien: Aufnahmen, die Rudolf und Emmi im direkten Zusammenspiel mit Kunstwerken zeigen.
- Die Gedächtnisausstellung 1925: Fotos, die präzise dokumentieren, wie die Bilder damals in Rostock gehängt wurden – ein wahrer Schatz für die Rekonstruktion der Museumsgeschichte.
Das Highlight: Wenn Geschichte lebendig wird
Dann folgte der Augenblick, auf den ich Wochen hingearbeitet hatte. Frau Knuth führte mich zu dem Werk, das der Hauptgrund für meine Reise war: Das Original-Porträt von Emmi Sieger, gemalt von keinem Geringeren als Lovis Corinth.
Es ist schwer in Worte zu fassen, was man fühlt, wenn man nach monatelanger Recherche plötzlich vor dem Original steht. Die Pinselstriche von Corinth zu sehen, die das Antlitz der eigenen Urgroßmutter verewigten – ein zutiefst emotionaler Moment.
Doch damit nicht genug. Ein zweites Highlight wartete auf mich. Neben diversen Gemälden von Rudolf stach für mich eines heraus: Das Selbstporträt von Rudolf.
Frisch gereinigt, blickte er mich aus dem Rahmen an. Dieser ausdrucksstarke Blick ging mir unter die Haut; ich hatte Mühe, meine Gefühle zu kontrollieren. Interessanterweise erinnerte mich sein Gesichtsausdruck stark an das Porträt seines Sohnes Hans, das ich aus unserem Familienbesitz gut kenne. Die Ähnlichkeit über die Generationen hinweg war verblüffend.
Ein Auftrag für die Zukunft
Frau Knuth bestärkte mich am Ende unseres Gesprächs ausdrücklich darin, mein Projekt fortzuführen. Sie bestätigte eine Lücke, die ich schon vermutet hatte: Es fehlt bisher eine vollständige, systematische Übersicht der Werke.
Eines steht fest: Dies war nicht mein letzter Besuch im KHMR. Mein nächster Weg wird mich zusammen mit meiner Mutter nach Rostock führen. Sie muss diese Bilder sehen – es sind immerhin ihre Großeltern, die dort in Öl und Leinwand die Zeit überdauert haben.
Die Reise geht weiter!
Kurznotizen zum Besuch:
Ort: KHMR Rostock
Gesprächspartnerin: Frau Susanne Knuth (Museumsdirektorin)
Wichtigste Werke: Emmi Sieger (Lovis Corinth), Selbstbildnis Rudolf Sieger
Erkenntnis: Großer Bedarf an einer Werkübersicht; hoher Wert privater Dokumente für die Forschung.